Training unter Strom (SÜDWESTPRESSE)

Kurze Trainingseinheiten, hoher Wirkungsgrad, geringe Verletzungsgefahr, effektive Rehabilitationshilfe.

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Vier Sekunden anspannen, vier Sekunden lockern. Das ist der Rhythmus der elektrischen Muskelstimulation, die dieser Tage als EMS-Training für Begeisterung unter Fitness-Fans sorgt. 20 Minuten dauert eine Sitzung; Anbietern zufolge soll sie bis zu 600 Kilokalorien verbrennen und so mehrere Stunden schweißtreibender Arbeit an Hantelbank, Beinpresse und Co ersetzen. Wer aufgrund dieser Tatsache auf Fitness für Faule hofft, wird allerdings enttäuscht: Denn trainiert werden muss durchaus noch. Beim EMS-Training werden die Muskelfasern durch niederfrequenten Reizstrom aktiviert und dadurch viel stärker gefordert, als dies bei herkömmlichem Training der Fall ist. Die dabei verwendeten elektrischen Impulse gleichen jenen, die das Gehirn bei körperlicher Anstrengung über die Nervenbahnen an die Muskulatur leitet. Anders als beim Joggen oder beim klassischen Krafttraining im Fitnessstudio erreichen diese EMS-Impulse von außen allerdings sofort sowohl die roten, ausdauernden als auch die schnellen, weißen Muskelfasern. In der Folge wird der Muskel rascher kräftiger und der Trainierende baut schneller und nachhaltiger Kraft auf. Parallel zur elektrischen Stimulation werden beim EMS-Training verschiedene Übungen durchgeführt, die der Sportler gegen den Widerstand seiner eigenen Muskulatur absolviert. Die elektrische Muskelstimulation kommt ursprünglich aus dem Reha-Bereich. Die Technik kommt aus dem Reha-Bereich Hier wird sie eingesetzt, um beispielsweise nach Verletzungen einem Muskelschwund vorzubeugen. In der Physiotherapie wird das EMS-Training bereits seit vielen Jahren zum gezielten Muskelaufbau angewendet. Im modernen Training finden dagegen vor allem Ganzkörpersysteme Verwendung, die bis zu zehn großflächige Elektrodenpaare in ein ausgeklügeltes Westen- und Gurtsystem integrieren und so eine Stimulation fast aller großen Muskelgruppen ermöglichen. Was martialisch klingt, ist ungefährlich: Beim EMS-Training kommen ausschließlich niederfrequente Impulse und Stromstärken unter 100 Milliampere zum Einsatz, die für das Herz und die Organmuskulatur unbedenklich sind. EMS-Training lässt sich in jedem Alter und auf jedem Fitnesslevel durchführen. Mit Hilfe eines Personal Trainers kann es optimal an individuelle Bedürfnisse und Trainingsziele angepasst werden. Durch die kurzen Einheiten und das Fehlen von Zusatzlasten werden Gelenke und Bänder geschont, die Belastung für Herz und Kreislauf bleibt durchweg moderat. Studien der Spezialklinik Bad Oeynhausen an Herzpatienten zeigen sogar, dass EMS unter fachkundiger Anleitung auch als Trainingsform für Personen mit eingeschränkter Belastbarkeit ideal geeignet ist. Rückenschmerzpatienten profitieren vom schnellen Aufbau ihrer oftmals schwachen, tiefgelegenen Stabilisationsmuskeln. Der Stoffwechsel wird angeregt, Cellulite bildet sich zurück. Leistungssportler schwören auf die exzellente Wirkung von EMS auf ihre Schnellkraft. Ein Ersatz für Sport ist EMS jedoch nicht. Wer mit Elektroden am Körper trainiert, fördert in erster Linie seine Kraft. Wichtige Sportlereigenschaften wie Kondition und Koordinationsfähigkeit werden dabei aber nicht verbessert. Auch können verschiedene Erkrankungen gegen den Einsatz von EMS sprechen. Vor einem entsprechenden Training unter Strom sollte daher stets Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Fakten zu EMS

  • Wer vom Training profitiert

  • Fitness-Fans jeden Alters und auf jedem Fitnesslevel

  • Rückenschmerzpatienten

  • Leistungssportler

  • Menschen mit eingeschränkter Belastbarkeit

  • Reha-Patienten, die gezielt Muskulatur aufbauen müssen

Wer darauf verzichten sollte

  • Menschen mit Herzschrittmachern und Implantaten

  • Menschen mit Vorerkrankungen wie Epilepsie, Spastiken oder Hautproblemen

  • Schwangere

Was EMS-Training bringt

  • Gesunder Rücken

  • Körperformung

  • Muskelzuwachs

  • Fitness für den Alltag

  • Leistungssteigerung

  • Anregung des Stoffwechsels

  • gezielter Muskelaufbau

SÜDWESTPRESSE | GESUND MAGAZIN | AMREI GROSS | 14.10.2014

www.swp.de

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